L-Glutamin

L-Glutamin ist eine nicht-essentielle Aminosäure und neben L-Alanin quantitativ die wichtigste Stickstoffquelle des menschlichen Körpers [Brooks et al., 1986]. Die höchsten Konzentrationen an L-Glutamin sind in der Muskulatur, der Lunge, der Leber, dem Gehirn und dem Fettgewebe zu finden [Rajendram et al., 2015]. Genannte Organe besitzen eine spezifische enzymatische Ausstattung, um L-Glutamin aus L-Glutaminsäure, beziehungsweise aus L-Glutamat (Salz der Glutaminsäure), zu synthetisieren [Miller, 1999]. Im Unterschied zu Glutaminsäure/Glutamat kann Glutamin die Blut-Hirn-Schranke leicht passieren [Hawkins, 2009] und wird im Gehirn teilweise zu Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) umgewandelt [Wang, 2007]. GABA ist ein Neurotransmitter, der eine beruhigende, dämpfende Wirkung auf die Hirnaktivität hat, während Glutamat der anregende Gegenspieler ist. Als Vorstufe von GABA wirkt L-Glutamin selbst leicht antidepressiv, angstlösend und schlaffördernd [Shiah, 1998]. Als wichtige Energiequelle für Nervenzellen steigert L-Glutamin zugleich die Leistungsfähigkeit des Gehirns, stimuliert die Zellregeneration und dient der Bildung des Neuromediators Stickoxid über Arginin [Arnal et al., 1995]. In Muskelzellen ist L-Glutamin am Eiweiß und Zuckerstoffwechsel beteiligt [DeBerardinis, 2010]. Glutamin hat zudem antioxidative Eigenschaften, da es zusammen mit Cystein zu Glutathion, einem lebenswichtigen Antioxidans und Redox-Regulator im Gewebe, umgewandelt wird. Antioxidantien verzögern den Alterungsprozess, da sie den Körper vor freien Radikalen schützen, welche die Zellen angreifen und das Immunsystem schwächen. L-Glutamin, oral eingenommen, verbessert im Darm eine Dysfunktion der intestinalen Permeabilität [Noth et al., 2012]. Überdies hat L-Glutamin Bedeutung für das Säure-Basen-Gleichgewicht, indem es in den Nieren die Ausschüttung von Natriumhydrogencarbonat fördert [Newsholme et al., 2003].

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